IVor einigen Jahren habe ich in Wien ein Stilleben gesehen, auf dem Fische, Krebse, Hasen und Vögel, sogar eine Zitrone zu sehen war. Die Tiere, gefangen oder auf der Jagd erlegt, gemalt im Zustand äußerster Natürlichkeit. Die Schuppen der Fische glänzten, im Fell des Hasen konnte man jedes Haar erkennen und bei den Vögeln jedes Flaumfederchen, alles extrem detailliert und lebensecht und vor allem frisch; der Fisch roch ganz bestimmt nicht. Das war optisch überwältigend, das Bild war auch noch riesig groß. Wie technisch versiert war der Maler, der Totes so lebendig und detailliert wiedergeben konnte; wie gut sein Erinnerungsvermögen, denn das Arragement konnte nur gedacht sein. Er hat tote Tiere wie lebende gemalt, nur der Effekt war wichtig. Und da fing es an, mich zu interessieren. Die Tiere nicht lebendig, sondern im Übergang zum Tod zu erfassen. Wenn sie geschossen wurden, wenn sie fallen, wenn sie hängen und ihre Federn verlieren.